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Südwest Presse: Kommentar zu Afghanistan

Ulm (ots) - Wie viele Soldaten extra dürfen es diesmal sein? Bis zu 850 lautet die Antwort seit gestern. Die Zahl steht für einen Kompromiss im Stile von Tarifverhandlungen, mit dem sich die Bundesregierung zwei Tage vor der Afghanistan-Konferenz in London die Zustimmung zur angeblich neuen Strategie am Hindukusch erkaufen will. Ob die Bundeswehr mit künftig bis zu 5350 statt derzeit 4500 Soldaten ihren Auftrag - mit dazu beizutragen, die Regierung in Kabul zu stabilisieren und den Wiederaufbau des Landes zu unterstützen - besser verwirklichen kann, ist fraglich. Denn das neue Konzept, demzufolge die Soldaten die Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte schützen sollen, ist im Prinzip das alte. Bewährt ist auch die verbale Verschleierungstaktik. Sie soll etwa der SPD, die "Kampftruppen" ablehnt, entgegenkommen. Doch schützen bedeutet in der Praxis schießen - und damit im Zweifel töten. Dass es solche Situationen immer öfter gibt, bestreitet inzwischen niemand mehr. Doch anstatt der Bevölkerung reinen Wein einzuschenken, gefallen sich die politisch Verantwortlichen weiter in verharmlosenden sprachlichen Kapriolen, die einen Unterschied zwischen Schutz- und Kampftruppen vortäuschen. Die Bundesregierung stünde besser da, ließe sie den entscheidenden Satz nicht ausgerechnet die Linke formulieren: Mehr Soldaten bedeuten mehr Krieg. Auch wenn man ihn Schutz nennt. Pressekontakt: Südwest Presse Lothar Tolks Telefon: 0731/156218 Original-Content von: Südwest Presse, übermittelt durch news aktuell

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