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Südwest Presse: Kommentar zum Kartellamt

    Ulm (ots) - Wie soll man da noch durchblicken? Gerade erst hat Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner dem Volk und dem Handel eindringlich ins Gewissen geredet, Lebensmitteln höheren Stellenwert einzuräumen, sprich: mehr für sie zu bezahlen. Gleichzeitig kündigen die Discounter weitere Preissenkungen in der lang anhaltenden Rabattschlacht an. Doch das Kartellamt hegt jetzt gegenteiligen Verdacht: Hersteller und Großhandel haben gemauschelt, um verboten hohe Preise durchzudrücken. Der Widerspruch muss keiner sein. Das Kartellamt hat nur eine Handvoll Produkte im Visier. Weil jeder halbwegs anständig sortierte Supermarkt hunderte von Waren im Angebot hat, kann beides Sinn machen: Erbitterte Preisunterbietung beim einen und verbotene preiserhöhende Absprache beim anderen Sortiment. Die Wettbewerbshüter werden hinlänglich munitioniert sein. Hinweise auf Absprachen bekommen sie meist aus dem inneren Zirkel der Eingeweihten. So flog auch unlängst das Kartell der Kaffeeröster auf, weil ein Konkurrent petzte. Gleichwohl fällt die neue Umtriebigkeit auf: Früher brachte sich das Kartellamt hauptsächlich mit Bußgeldern gegen den Zement-Zirkel ins öffentliche Bewusstsein, jetzt scheint keine Branche vor den Marktwächtern aus Bonn sicher zu sein. Das allein ist schon ein gutes Signal - unabhängig davon, ob die gestrige Razzia auch den Verdacht zu tatsächlicher Gewissheit erhärten kann.

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