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Südwest Presse: Kommentar zur FDP

Ulm (ots) - Als Helmut Kohl in den 80er Jahren die Kanzlerschaft in Angriff nahm, versprach er eine "geistig-moralische Wende". Drei Jahrzehnte später nimmt nun FDP-Chef Guido Westerwelle Anleihe beim Altkanzler und gibt die "geistig-politische Wende" als Losung aus. Der historische Rückgriff auf die damalige schwarz-gelbe Bundesregierung kann sich indes leicht als Bumerang erweisen, da Kohl in seiner Amtszeit - erinnert sei nur an die CDU-Spendenaffäre - den überhöhten Anspruch inhaltlich nicht überzeugend unterlegen konnte. Vor dieser Schwierigkeit wird auch die FDP stehen - trotz des Verzichts auf die Moral-Keule. Dabei verdient das, was Westerwelle inhaltlich mit dem Wende-Begriff verbindet, durchaus Unterstützung: der Glaube an die Zukunft, an Leistung, Fortschritt, an ein Deutschland, das sich dem internationalen Wettbewerb stellt und sich nicht auf den Errungenschaften der Vergangenheit ausruht. Es ist die positive Variante des "Die-Chinesen-duschen-früher-und-kälter"-Evergreens, mit dem Noch-Ministerpräsident Günther Oettinger seit Jahren das Land wachzurütteln versucht. Westerwelle will seine "geistig-politische Wende" als langfristiges Projekt verstanden wissen und damit zugleich als Anspruch auf eine FDP-Regierungsbeteiligung über die Legislaturperiode hinaus. Das wird indes nur gelingen, wenn Schwarz-Gelb auch im Alltagsgeschäft mehr bietet als kleinkrämerischen Streit. Pressekontakt: Südwest Presse Lothar Tolks Telefon: 0731/156218 Original-Content von: Südwest Presse, übermittelt durch news aktuell

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