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Südwest Presse: Kommentar zum Klimagipfel

    Ulm (ots) - Zwei ganz wichtige Staaten auf der Erde haben nun akzeptiert, dass es menschengemachte Klimaveränderungen gibt. Die USA als mächtigste Nation und China, das bevölkerungsreichste Land, räumen zudem ein, dass dagegen etwas zu unternehmen ist. Das ist letztlich das Ergebnis des Kopenhagener Klimatreffens. Mehr nicht. Bescheidenheit ist ein durchaus guter Charakterzug. Barack Obama bewahrt sich diese Eigenschaft bisher - als einer der wenigen Mächtigen. Auch deshalb gewinnt er die Herzen der Menschen. Politisch darf er sich mit Minimalzielen aber nicht zufriedengeben. Die Klimakonferenz als Erfolg zu feiern, wirkt eher selbstgerecht. Denn nach zwölf Verhandlungstagen hat die Weltgemeinschaft weit weniger erreicht als selbst Pessimisten vorher vermuteten. Die 193 Staaten wollten wenigstens den politischen Willen fixieren, 2010 einen internationalen Fahrplan für das Reduzieren der Treibhausgase zu vereinbaren. Jetzt erkennen die Mächtigsten nur an, was sie schon 1992 in Rio de Janeiro akzeptierten. Seit 18 Jahren tritt der internationale Klimaschutz also weitgehend auf der Stelle. Dies wird der enormen Aufgabe nicht einmal andeutungsweise gerecht. Was ist schiefgelaufen in Kopenhagen? Das Treffen war vor allem von den wichtigen Akteuren schlecht vorbereitet, die Organisation chaotisch, die Verhandlungsführung mehr als ungeschickt. Dazu gesellten sich die üblichen nationalen Egoismen, die selbst die zahlreich angereisten Staats- und Regierungschefs nicht aufgeben mochten. Rasch verloren die Chefverhandler, aus Angst ein anderer könnte Nachgeben als Schwäche interpretieren, aus den Augen, wozu sie sich eigentlich trafen. So bissen sie sich an Nebenaspekten fest. Dass sich das Regime in Peking weigert, einer internationalen Kontrolle der Reduktion von Treibhausgasen zuzustimmen, muss früher geklärt werden. Dass die Industriestaaten erst in der Schlussphase mitteilen, mit welchen Finanzhilfen die armen Länder des Südens rechnen können, um den Klimaveränderungen zu begegnen, darf die Suche nach einem Kompromiss bei den Treibhausgasemissionen nicht bis zuletzt belasten. Dass 30 Staatenvertreter in Hinterzimmern einen Kompromiss aushandeln, den dann 160 Regierungen kurzerhand abnicken sollen, ist diplomatischer Dilettantismus in Reinkultur. Er kann nur den geballten Unmut der souveränen Mitgliedstaaten ernten. Nun gibt es im Kampf gegen den Klimawandel keine Alternative zu internationalen Abkommen. Zwar können die Menschen lokal viel dazu beitragen, dass weniger Treibhausgase in die Atmosphäre entweichen. In demokratischen Ländern gelingt es Bürgern auch, falsche Entscheidungen ihrer in fossilen Verbrennungsprozessen verharrenden Politiker zu stoppen. Energie effizient zu nutzen oder umweltverträglich zu erzeugen, ermöglicht allen Menschen, unnötige Ausgaben auf Dauer zu reduzieren. Doch regionale Anstrengungen halten den Temperaturanstieg nicht auf, selbst wenn hunderte Millionen Menschen dies konsequent betreiben. Dem totalen Wandel von der auf fossilen Rohstoffen basierenden Industriegesellschaft hin zu einer ressourcenschonenden Wirtschaftsweise müssen sich alle Erdenbewohner verschreiben. Was heißt dies für künftige Klimagipfel? Den Herren in Peking, Washington oder Moskau muss der Lebensraum der Südseeinsulaner oder der Regenwald etwas wert sein. Staatschefs mit Anspruch auf Weltgeltung sind daran zu messen, ob sie Verantwortung für den Planeten übernehmen. Sie treffen sich häufiger denn je. Ihr vornehmstes Thema muss doch lauten: Wie stellen wir sicher, dass die Menschheit als Ganzes überlebt? Nur dies sichert auch ihnen auf Dauer den Erhalt ihrer Macht.

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