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Südwest Presse: Kommentar: Gesellschaft

    Ulm (ots) - Dass sich die Menschen in schweren Zeiten auf Werte wie Solidarität und sozialen Ausgleich besinnen, ist eine weit verbreitete Hoffnung. Die Wirklichkeit sieht aber anders aus. Im Zuge der Krise, die von den Finanzmärkten ausging, dann die gesamte Wirtschaft, die öffentlichen Haushalte wie die Sozialsysteme erfasst hat, nehmen die Anzeichen gesellschaftlicher Spaltung zu. Menschen, die sich von sozialem Abstieg besonders bedroht fühlen, gehen ihrerseits deutlicher als zuvor auf Distanz zu Schwachen und Minderheiten. Feindselige Einstellungen indes sind Gift für den sozialen Frieden und die Integration in diesem Land. Es sollte uns daher alle alarmieren, wenn rechtspopulistische Positionen in sämtlichen Schichten der Bevölkerung vorhanden sind und nur darauf warten, mobilisiert zu werden. Es ist ein allmählicher Prozess, der den Zusammenhalt der Gesellschaft aushöhlt und die Abkehr von politischer Beteiligung verstärkt. Sichtbar sind die Symptome schon seit Jahren, keineswegs erst im Schatten der aktuellen Krise. Schwindendes Vertrauen in die Gestaltungskräfte der Demokratie lässt sich durch die Flucht in Symbole und Inszenierungen nicht wettmachen. Wer erst einmal den Glauben an die gerechte Verteilung von Chancen in einer freiheitlichen Ordnung verloren hat, ist für schöne Bilder oder goldene Worte aus der Politik nicht mehr empfänglich.

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