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Südwest Presse: Kommentar: Guttenberg

    Ulm (ots) - Dieser Verteidigungsminister macht Mut. Vielleicht setzt sich ja in der Politik allmählich doch noch die Erkenntnis durch, dass es keinen Sinn hat, unhaltbare Positionen nur deshalb hartnäckig weiter zu vertreten, weil es als vermeintliches Zeichen der Schwäche wahrgenommen werden könnte, Fehler einzuräumen und eigene Urteile zu korrigieren. Einsicht ist eine Tugend, Sturheit gewiss nicht. Nun soll Karl-Theodor zu Guttenberg freilich nicht mehr Ehre zuteil werden als ihm gebührt. Es war falsch, kurz nach seinem Amtsantritt die Bewertung seines Vorgängers zu übernehmen, die schon vor Wochen mehr als zweifelhaft erschien. Das war ein bisschen voreilig und keineswegs klug. Immerhin aber hat der Minister gerade noch rechtzeitig bemerkt, wie dünn das Eis in Wahrheit war, auf dem Franz Josef Jung dann prompt auch ausrutschte. Lernfähig ist der junge Mann also, das lässt hoffen. Guttenbergs Rückzug mit Stil verschafft ihm selbst jetzt mehr Freiheit, den Fehlschlag von Kundus in größtmöglicher Offenheit und Transparenz aufzuklären, wie er es dem Parlament und damit einer irritierten Öffentlichkeit versprochen hat. Dass er den verantwortlichen Bundeswehr-Offizier nicht im Regen stehen lässt, sichert ihm die Sympathie der Truppe. Seiner Kanzlerin leistet der Verteidigungsminister ebenfalls einen wertvollen Dienst. Denn Angela Merkel kann sich jetzt rühmen, dass wenigstens nachträglich die Umstände eines tragischen Ereignisses durchleuchtet werden, die wenige Tage vor der Bundestagswahl womöglich in ihrem engeren Umfeld vertuscht wurden.

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