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Südwest Presse: Kommentar zu Babyklappen

    Ulm (ots) - Einfache Antworten gibt es in Sachen Babyklappen nicht. Knapp 150 Kinder sind dort in den vergangenen Jahren abgegeben worden. Die Babys überlebten - doch wer ihre Eltern sind, warum diese sie abgelehnt haben oder nicht aufziehen konnten, werden die Heranwachsenden nie erfahren. Das Hilfesystem baut auf Anonymität. Für die ausgesetzten Kinder bedeutet das eine schwere Last, oft ein Leben lang. Jeder Mensch hat ein Recht, seine Wurzeln zu kennen. Wie existenziell dieses Recht für den Einzelnen ist, wurde bei der Einführung der Babyklappen vermutlich unterschätzt. Die Initiatoren wollten Leben retten - und haben es auch. Selbst wenn Experten bezweifeln, dass die erschütternden Kindstötungen mit Einrichtungen wie dem "SterniPark" verhindert werden können. Ihrer Ansicht nach, ist eine Frau in Panik gar nicht in der Lage, systematisch nach einer der bundesweit 80 Babyklappen zu suchen. Doch jene Mütter, die ihr Kind ohne Angst vor Sanktionen und Nachforschungen in andere Hände geben wollten oder mussten, waren in Not - wenn vielleicht auch nicht in todbringender Panik. Deshalb sind Babyklappen richtig. Doch muss an weiteren Alternativen gearbeitet und die Aufklärung werdender Mütter über die Bedeutung des Abstammungsrechts für ihr Baby verbessert werden. Vielleicht können teil-anonymisierte Geburten weiterhelfen, bei denen sich Kind und Mutter viele Jahre später aufgrund hinterlegter Daten suchen können. Das bei Adoptionen übliche Verfahren könnte Richtschnur sein. Das Abstammungsrecht über das Lebensrecht zu stellen, wäre jedoch der falsche Weg.

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