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Südwest Presse: Kommentar: Maultaschenurteil

Ulm (ots) - KOMMENTAR · BAGATELLDELIKTE Das letzte Mittel Sechs Maultaschen eingesteckt, eine Frikadelle verzehrt, Leergutbons im Wert von 1,30 Euro veruntreut - und schon ist der Arbeitsplatz weg? Rechtlich ist der Maultaschen-Fall klar: Diebstahl lässt eine fristlose Kündigung zu. Die Mitnahme von Speisen war in dem Altenheim ausdrücklich untersagt. Doch sind solche Rauswürfe angemessen? Steht das Aus für eine oft langjährige, zuverlässige Mitarbeit im Verhältnis zum Schaden, den solche Taten anrichten? Wohl kaum, sagt der normale Menschenverstand. Doch wo liegen die Grenzen? Wann hört die Bagatelle auf, eine zu sein? Was Missbrauch oder das Erschleichen von Betriebsmitteln heißt, muss in einem Unternehmen klar geregelt werden. Diese Vorschriften sollten Arbeitgeber wiederholt erklären und - wenn vorhanden - mit ihrem Betriebs- oder Personalrat eindeutig festlegen. Ganz besonders gilt dies für Sanktionen. Die fristlose Kündigung kann nur am Ende einer Skala von Maßnahmen stehen, die für das Delikt angemessen ist. Sie beginnt mit einem Verweis und dem Ersetzen des Schadens. Im Wiederholungsfall folgt eine Abmahnung, dann der Rauswurf. Wissen die Mitarbeiter, woran sie sich halten müssen, entsteht kein Misstrauen und Ehrliche fühlen sich nicht als Dumme. Es kommen auch keine Gerüchte auf, ein Beschäftigter würde aus anderen Gründen gefeuert. Dies dient dem Betriebsfrieden. Und an diesem muss jedem Unternehmen gelegen sein. Pressekontakt: Südwest Presse Lothar Tolks Telefon: 0731/156218 Original-Content von: Südwest Presse, übermittelt durch news aktuell

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