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Südwest Presse: Kommentar: Abhören

    Ulm (ots) - Tief im Süden der Republik ist bekanntlich alles besser: Bildung, Wirtschaftskraft, Wohlstand, Sicherheit. Das weiß man schon lange und es wird auch stolz in allerlei Grafiken vorgeführt. Neu ist: Es gibt hier mehr Strafverfahren als anderswo, in denen Telefone abgehört werden. Das ist gewöhnungsbedürftig für einen Landstrich, der das Übel gern andernorts ansiedelt. Man staunt und spekuliert: Sind Baden-Württemberg und Bayern etwa autoritärer, arbeitet die Justiz hier einfach gründlicher oder zieht der viel gepriesene Wohlstand mehr Kriminelle an? Gemach. Wer genauer hinsieht, merkt rasch: Die Zahl der Strafverfahren mag höher sein als in anderen Ländern, die Zahl der abgehörten Anschlüsse ist es im Verhältnis zur Bevölkerungsdichte nicht. Wo viele Menschen leben, wird eben viel am Telefon gequasselt, Legales wie Illegales. Ein attraktiver Wirtschaftsraum - was auf den Süden der Republik unbestritten zutrifft - zieht nicht nur seriöse Unternehmen an. Und gemessen an der Gesamtzahl aller Strafverfahren ist die Zahl der abgehörten Gespräche immer noch sehr gering. Alles in Ordnung also? Nachvollziehbar sind die Argumente ohne weiteres, und ein Überwachungsstaat sieht gewiss anders aus. Doch das technische Wettrüsten zwischen Kriminellen und Ermittlern schafft ständig neue Instrumente, die alsbald fleißig genutzt werden - wie die Zahlen zur jüngst geschaffenen Vorratsdatenspeicherung zeigen. Und noch etwas fällt auf: Alle Spitzenreiter der Statistik sind unionsregiert - auch die weiter nördlich gelegenen. Hier herrscht offensichtlich Ordnung. Das beruhigt - und hinterlässt doch ein gewisses Unbehagen.

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