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Südwest Presse: Kommentar zur Buchmesse

    Ulm (ots) - Seit einigen Jahren sucht sich die Frankfurter Buchmesse für die großen Gastauftritte immer wieder Länder aus, in denen es aktuell entweder religiöses oder gesellschaftspolitisches Konfliktpotenzial gibt. Die Organisatoren bekunden jedesmal wieder, dass die Buchmesse auch bei kritischen Themen ein Forum der Kommunikation sein möchte und legitimieren damit - freilich unausgesprochen - die für alle Beteiligten ungemein aufwendigen Gastland-Präsentationen. Auf dem literarischen Sektor haben sie keine nachhaltige Wirkung. Mit Russland, der Arabischen Liga und zuletzt der Türkei hat das auch gut geklappt. Kleine Debatten und Interviews über Menschenrechte, Religions- und Meinungsfreiheit und Zensur standen in Kontrast zu den Selbstdarstellungen der Gastländer, die solche wunden Punkte aussparten. Wie harmlos im Denken und wie halbherzig im Tun dieser politische Aspekt der Gastland-Idee in Wahrheit angelegt ist, zeigt jetzt das Einknicken vor China. Der diesjährige Ehrengast der Buchmesse droht damit, eine vorbereitende Tagung über "China und die Welt" am kommenden Wochenende in Frankfurt zu boykottieren, sollten dort auch zwei bestimmte regierungskritische chinesische Autoren auftauchen - und umgehend kuschen die Frankfurter Messeverantwortlichen. Die chinesische Seite übt damit ungeniert Zensur aus, liefert also selbst den Beweis, wie problematisch die Arbeitssituation für kritische Autoren in der Volksrepublik ist und wie notwendig eine offene Diskussion darüber auf der Frankfurter Plattform wäre. Dass die Buchmesse darauf mit Opportunismus reagiert, ist beschämend.

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