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Südwest Presse: Kommentar zum Thema Endlager

    Ulm (ots) - Was Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier derzeit vergeblich versucht, gelingt seinem SPD-Mitstreiter Sigmar Gabriel: Einen Anstoß für den Wahlkampf zu geben, der den Gegner trifft und der das eigene Lager mobilisiert. Die neu entfachte Debatte über das ungelöste Problem Atommüllendlager ist ein Nadelstich, der die Union mehr schmerzt als das heuchlerische Gezeter über die - vergleichsweise bescheidenen - Bewirtungskosten des Kanzleramts. Mehr Substanz hat sie auch. Natürlich hängt die Aufregung zum jetzigen Zeitpunkt auch mit den nahenden Wahlen zusammen. Das ist aber legitim, denn das zugrundeliegende Problem ist nicht von der Hand zu weisen: Es gibt für die Endlagerung des über Jahrhunderte strahlenden Atommülls in Deutschland nur die eine, höchst ungewisse Möglichkeit Gorleben. Seit das Gift aus gutem Grund nicht mehr exportiert wird, lagert es in mäßig gesicherten Betonhallen neben den Atomkraftwerken. Die unbefriedigende, vermeintliche Zwischenlösung aber könnte länger dauern, als allen Beteiligten lieb ist. Wer Kernkraft befürwortet, hat mit dieser Situation ein großes Problem. Deshalb reagiert die Union, die den im Atomkonsens festgeschriebenen Ausstiegsplan für die deutschen Meiler kippen möchte, so gereizt auf Gabriels Provokation. Doch in Ländern wie Baden-Württemberg und Bayern werden etliche Atomkraftwerke betrieben, sie sollen tunlichst auch nicht abgeschaltet werden. Die Selbstgerechtigkeit, mit der zugleich jede Aufforderung zurückgewiesen wird, sich aktiv an der Suche nach einem Endlagerstandort zu beteiligen, erinnert schon sehr an das Sankt-Florian-Prinzip.

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