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Südwest Presse: Kommentar zum Thema Sextäter

    Ulm (ots) - Es gibt wenige Verbrechen, die die Gesellschaft so sehr elektrisieren, wie wenn ein verurteilter Kinderschänder nach der Entlassung erneut zuschlägt. Es liegt an der Abscheulichkeit der Tat, an der Unschuld der Opfer - aber vor allem am Gefühl, man hätte das doch vorhersehen, ja verhindern müssen. Das Gefühl rührt an einem Dilemma des Strafsystems: Was tun, wenn die Strafe verbüßt ist? Freilassen und das Beste hoffen - oder jeden weiter unter Generalverdacht stellen? Irgendwo zwischen diesen Extremen, zwischen Hoffnung auf Resozialisierung und dem Schutz der Gesellschaft vor weiteren Taten, bewegen sich Politik und Justiz. Es ist legitim, darüber nachzudenken, bei Sextätern mit ungünstiger Prognose die Stellschraube etwas mehr Richtung Schutz der Gesellschaft zu drehen. Das wird nun im Land auf den Weg gebracht - mit schalem Beigeschmack. Justizminister Goll hat sein Prestigeprojekt gegen alle Widerstände durchgeboxt - doch kosten darf es keinen Cent. Soll die Polizei halt andere Aufgaben liegenlassen, sagt Goll. Diese lachhafte Aussage ist symptomatisch: Prävention taugt nur für populistische "wir-tun-was"-Rhetorik. Abseits der Rhetorik wird bei dem Thema mit Vorliebe der Rotstift gezückt: Die Bewährungshilfe im Land wurde zusammengestrichen und an Private vergeben. Immer noch bekommen viele Sextäter in Haft keine Therapie, weil Plätze fehlen. So viel kann dem Land die Prävention nicht wert sein.

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