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Südwest Presse: Kommentar zum NS-Prozess in München

Ulm (ots) - Sie ist nicht mehr sehr lang, die Liste mutmaßlicher NS-Verbrecher, deren grausame Taten auch mehr als 60 Jahre nach Kriegsende noch nicht aufgearbeitet sind. Mit dem Urteil, das das Landgericht München I gestern gefällt hat, ist sie um einen Namen kürzer geworden - vorläufig, denn die Verteidiger wollen Revision einlegen. Dennoch ist das Signal klar: Es gibt keinen Schlussstrich unter Gräueltaten.Mit John Demjanjuk steht demnächst ein weiterer prominenter mutmaßlicher NS-Scherge vor Gericht, einige wenige werden noch gesucht. Das hohe Alter der Verdächtigen macht die Wahrheitsfindung schwer, die wenigen Urteile, die noch gefällt werden, kommen für die breite öffentliche Anteilnahme zu spät. Darüber zu klagen ist indessen müßig. Erst die in den 60er Jahren drohende Verjährung der NS-Verbrechen machte dem Gesetzgeber Beine. Es ist bekannt, dass Akten über Wehrmachts-Massaker in Italien jahrelang in den Archiven der italienischen ilitärstaatsanwaltschaft vergessen wurden. Und nach den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen ging man in Deutschland rasch zur Tagesordnung über - dass zahllose Nazis in der jungen Bundesrepublik alsbald in ihre alten Funktionen zurückkehren konnten, hat das Land lange belastet. Das späte Urteil gegen einen 90-Jährigen mag Genugtuung für die Hinterbliebenen der Opfer bedeuten. Über die Versäumnisse der vergangenen 60 Jahre darf es nicht hinwegtäuschen. Pressekontakt: Südwest Presse Lothar Tolks Telefon: 0731/156218 Original-Content von: Südwest Presse, übermittelt durch news aktuell

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