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Südwest Presse: Kommentar zum Thema Ärzte-Tüv

    Ulm (ots) - Nimmt sich zu wenig Zeit, verschreibt mir die bewährten Pillen nicht - so könnten Unmutsurteile mancher Kassenpatienten über Mediziner lauten. Andere Patienten könnten auch voll des Lobes sein, weil sie ihrem Arzt vertrauen, mit ihm offen umgehen. Menschen reden viel über gute oder schlechte Ärzte. Ein Mediziner-Ranking der Kassen wird diesen Erfahrungsaustausch nicht ersetzen. Und ein direkter Meinungsaustausch wiegt mehr als ein rasch hingeschriebener Satz im Internet. Ob dieser ergänzend sein kann, bleibt äußerst fraglich. Denn Laienurteile über Diagnosen und Therapien bleiben vage. Das übrige Verhältnis hängt von jedem Einzelnen der Akteure ab, beruht hauptsächlich auf Sym- oder Antipathie. Und dann? Den Arzt wechseln? Die freie Wahl hat der Patient - mit und ohne Kassen-Bewertung. Allerdings steht dieses Recht zunehmend nur noch auf dem Papier. Das dürfte auch den Krankenkassen nicht entgangen sein. Sie haben im Verbund mit der großen Koalition im Bundestag und den kassenärztlichen Vereinigungen das neue Honrarsystem eingeführt. Damit haben sie jedem Praxisarzt die Zahl der Patienten vorgegeben, die er pro Quartal behandeln soll. Will er mehr Kranke versorgen, erhält er dafür noch ein Nasenwasser der ohnehin geringen Quartalspauschale. Es liegt daher im ureigenen Interesse eines Selbständigen, nicht noch mehr Patienten zu betreuen. Sollte es der AOK also gelingen, eine halbwegs seriöse Internet-Bewertung einzuführen, werden ihre Versicherten damit wenig anfangen können. Deshalb wird auch mit dem Ärzte-Tüv statt sinnvoller Gesundheitspolitik Aktionismus betrieben - leider.

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