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Südwest Presse: Thema Patientenverfügung: Heikle Gratwanderung

    Ulm (ots) - Parteienstreit passt nicht zu Gewissensfragen, schon gar nicht, wenn sie sich mit den letzten Stunden des Lebens befassen. Nun wollen Befürworter der "Selbstbestimmung" nicht einsehen, dass ihre Vorschläge zur Patientenverfügung keine Mehrheit finden. Der Versuch, beim Abstimmungsprozess zu taktieren, ist jedoch völlig unangemessen. Geht es um solche Themen, müssen Tricks und Drohgebärden unterbleiben. Sie entwerten das Ziel, dem Willen des Patienten zu dienen. Die Entscheidungsfreiheit der Volksvertreter kommt durch Fraktionszwang ohnehin zu kurz. In ethischen Fragen muss sie unbedingt respektiert werden. Nun hat der Bundestag fünf Jahre über ein Gesetz nachgedacht, das dem Willen des Patienten gerecht wird, nicht endlos zu leiden. Er hat aber die Gesellschaft auch davor zu bewahren, dieses Ziel über das Lebensrecht zu stellen. Andere über den Zeitpunkt des eigenen Todes befinden zu lassen, ist das Gegenteil von Selbstbestimmung. Ärzte und Pfleger zu veranlassen, ein Leben vorzeitig zu beenden, ist mehr als eine Zumutung. Da werden Aufgaben dieser Berufsgruppen verwischt, die nie unklar sein dürfen. Deshalb ist der Verzicht auf ein Gesetz besser als Vorschriften, die alle Beteiligten auf noch heiklere Gratwanderungen zwingt. Wer meint, er könne voraussehen, in welche Krankheitssituationen er gerät und was passieren soll, kann dies verfügen. Er erspart Ärzten und Vertrauten aber nicht, dies zu prüfen.

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