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Südwest Presse: Kommentar zu Ohnesorg

    Ulm (ots) - Muss die Geschichte der Studentenbewegung neu geschrieben werden, weil Benno Ohnesorg einst durch den Schuss aus der Waffe eines Stasi-Agenten starb? Sicher nicht. Dennoch wirft die späte Enttarnung des damaligen Polizeibeamten Karl-Heinz Kurras aus West-Berlin ein grelles Licht auf die Verwicklungen der deutsch-deutschen Vergangenheit und die Notwendigkeit einer konsequenten Aufarbeitung der DDR-Historie. Zu den Lehren, die wir aus den Akten des SED-Regimes ziehen, gehört gewiss, dass die von Erich Mielke befehligte Krake mit dem irreführenden Namen "Ministerium für Staatssicherheit" ihre Arme nicht bloß in jeden Winkel der sozialistischen Schnüffelgesellschaft aussandte, sondern auch tief in die Bundesrepublik hinein. Wer in der Lage war, einen Top-Spion im Bonner Kanzleramt zu platzieren, war ebenso fähig, die westdeutsche Polizei und Justiz zu unterwandern. Auch wenn es zur Stunde keine Belege dafür gibt, dass Kurras im Auftrag handelte, um den schon schwelenden Aufruhr in der Bundesrepublik zu befeuern, stellen sich Fragen: Muss der Prozess gegen den seiner Zeit freigesprochenen Todesschützen neu aufgerollt werden, weil Mord bekanntlich nicht verjährt? Wieso blieb die Stasi-Verstrickung des Ex-Polizisten so lange unentdeckt? Schlummern in den Archiven der Birthler-Behörde weitere Fundstücke dieses Kalibers? Aufklärung tut Not.

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