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Südwest Presse: Kommentar zum Thema Piraten

    Ulm (ots) - Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) plant mit seinen EU-Kollegen eine Erweiterung des Seegebietes, in dem die EU-Flotte Handelsschiffe vor den somalischen Piraten schützen soll. Bis zu den Seychellen soll die "Atalanta"-Mission patroullieren. Der Minister glaubt, dabei ohne zusätzliche Bundeswehr-Soldaten und Schiffe auszukommen. Hat er als Schüler im Geographie-Unterricht geschlafen? Wahrscheinlicher ist, dass Jung an wahlkampfbedingtem Gedächtnisschwund leidet. Wer fordert Monate vor der Wahl schon mehr Soldaten für einen Einsatz weit hinter dem Horizont? Die Seychellen liegen so weit vor der somalischen Küste, wie das Nordkap von Berlin entfernt ist. Die Inseln selbst sind über ein Seegebiet verstreut, das größer ist als Deutschland. Wie der Minister diese Weiten im Indischen Ozean wirkungsvoll überwachen will, bleibt sein Geheimnis. Schon jetzt gelingt es der multinationalen Flotte aus 13 Kriegsschiffen nicht, den Piraten in einem deutlich kleineren Gebiet rund um das Horn von Afrika ihr Handwerk zu legen. Jung macht beim Thema Somalia und Piraten nicht als einziger im Kabinett eine schlechte Figur. Auch von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) ist dazu nur selten etwas zu hören. Und wenn, dann unauffällig im Chor der EU-Außenminister: Gestern forderten sie nach Angriffen von islamistischen Rebellen auf die somalische Hauptstadt Mogadischu ein Ende der Kämpfe. Steinmeier könnte statt harmloser Aufforderungen, die in Somalia niemanden interessieren, genauso gut zum Badeurlaub auf die Seychellen fliegen. Und Jung mitnehmen, damit der seine Lücken in Geographie füllen kann.

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