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Südwest Presse: Kommentar: KZ-Verbrechen

    Ulm (ots) - Das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung", so lautet ein vielzitierter Satz aus dem Talmud und er steht auch als Losung über den anstehenden Prozess gegen den 89-jährigen mutmaßlichen Nazi-Verbrecher John Demjanjuk. "Erinnerung" ist gewiss nicht nur das rituelle Gedenken an die Verbrechen der Vergangenheit, sondern auch weiter deren Aufarbeitung. Mord verjährt nicht und für die Klärung, ob der mutmaßliche KZ-Mörder Demjanjuk schuldig ist oder nicht, spielt sein Alter keine Rolle. Wird er verurteilt, kann beim Strafmaß seine Gebrechlichkeit berücksichtigt werden, es kann Gnade vor Recht ergehen. Der Ruf nach Menschlichkeit im Zusammenhang mit einem ordentlichen Gerichtsverfahren verbietet sich angesichts der zur Verhandlung stehenden unmenschlichen Taten ohnehin von selbst. Der Wunsch, die beschämende deutsche Vergangenheit endlich ruhen zu lassen, ertönt häufig von Menschen, die selbst nie bereit waren, sich ihr ernsthaft zu stellen und die sie deshalb bis heute nicht ertragen können. Besonders ihnen sei die Talmud-Weisheit ans Herz gelegt. Unmenschlich von der deutschen Gerichtsbarkeit war es eher, Demjanjuk, über dessen Identität es seit den 70er Jahren klare Erkenntnisse gibt, so lange unbehelligt zu lassen. Das Wissen über die Vorgänge in den Vernichtungslagern der Nazis, das der Prozess gegen ihn bringt, wäre viel ergiebiger gewesen, wenn ein Staatsanwalt den Indizien konsequenter nachgegangen wäre. Doch schon der Respekt vor den Opfern des Holocaust und ihren Nachkommen gebietet es, die sich bietenden Chancen auch heute zu nutzen.

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