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Südwest Presse: Kommentar zum Gendiagnostikgesetz

    Ulm (ots) - Was lange währt, wird endlich gut? Ein Lob hat die große Koalition durchaus verdient für ihr Gendiagnostikgesetz. Immerhin haben sich Union und SPD zusammengerauft, um Regeln für Gentests aufzustellen - trotz des lauter werdenden Wahlkampfgetöses. Doch so ist die Politik in Deutschland: Dem Lob muss gleich der Tadel folgen. Wenn der Bundestag schon ein Jahrzehnt an einem Paragraphenwerk herumdoktert, sollte es ihm schon gelingen, einen Sachverhalt umfassend zu beackern. Doch weil Teile der Union und SPD meinen, sich forschungsfreundlich geben zu müssen, klammern sie diesen Bereich völlig aus und erreichen das Gegenteil. Zu versprechen, das Versäumnis werde alsbald nachgeholt, hilft wenig. Nur wer genau weiß, was mit seinen sensiblen Erbgut-Informationen geschieht, wird an Experimenten dazu teilnehmen. Deshalb haben viele Wissenschaftler für klare und unmissverständliche Vorgaben plädiert. Gleiches gilt für den Bückling der Politik gegenüber der Versicherungswirtschaft. Wer sich mit hohen Beiträgen absichert und dafür kräftig zahlt, kann doch nicht angehalten werden, sein Innerstes nach außen zu kehren. Und dass nun alle Bundesländer ihren Beamten extra zusagen müssen, ihr Erbgut nicht begutachten zu wollen, versteht niemand mehr. So bleibt: Union und SPD haben Notwendiges endlich vernünftig geregelt, aber Sinnvolles versäumt und Unsinniges nicht gelassen - leider.

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