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Südwest Presse: Leitartikel: Neujahr

    Ulm (ots) - Zehn Millionen Deutsche, so schätzen Fachleute, leiden an den verschiedenen Formen der Krankheit Angst. Etwa jeder achte Bewohner dieses Landes also. Es gibt die Deutsche Angst-Selbsthilfe als Interessenorganisation und die Deutsche Angst-Zeitschrift - so heißt sie wirklich - als deren publizistisches Forum. Auch jenseits der im internationalen Vergleich hohen krankhaften Ausformung ist das Phänomen Angst bei uns so stark verbreitet, dass es als "german desease" international wahrgenommen und oft belächelt wird. In einer Umfrage unter 60 000 Menschen in 60 Nationen nach der Einschätzung der Zukunftserwartungen landeten die Deutschen 2007 auf Platz 51. Nur in neun Ländern, zum Beispiel dem Irak, wurden die Aussichten schlechter eingeschätzt als hierzulande. Wenn dann selbst die Kanzlerin vor einem Jahr der schlechten Nachrichten warnt, verwundert es nicht, wenn die Bundesbürger mal wieder düster in die Zukunft schauen. Mittlerweile haben sich aber manche der früher geäußerten Ängste erledigt. Der Ölpreis ist nach der bedrohlichen Explosion wieder unter den Ausgangspunkt gefallen. Es wurden Millionen neuer Arbeitsplätze geschaffen, etwa jeder Zweite ordentlich bezahlt und abgesichert. Und es besteht gute Hoffnung, dass die USA künftig von einem Präsidenten regiert werden, der nicht wie sein noch amtierender Vorgänger als latentes Risiko für die Auslösung neuer Weltkrisen betrachtet werden muss. Doch zugleich gibt die in den USA geplatzte Immobilienblase und die anschließende weltweite Finanzkrise allen Hasenfüßen reichlich neue Nahrung. Rezession, Deflation, Weltwirtschaftskrise gar - das Vokabular der ökonomischen Kassandrarufer erobert erste Plätze unter den (Un-)Wörtern des Jahres. Als freilich im Oktober Daimler mit seiner zweiten "Gewinnwarnung" (so bezeichnen die Börsengurus die Senkung der eigenen Gewinnprognosen für das Geschäftsjahr) die Aktienkurse abermals auf Talfahrt schickte, da reagierten Besonnene erfreulich nüchtern: Gehe etwa die Welt unter, so mahnten sie, wenn der Stuttgarter Autobauer statt ursprünglich erhoffter sieben Milliarden Euro Jahresgewinn nur noch sechs Milliarden erwarte? Was, so sei hinzugefügt, zudem nicht nur von allgemeiner Nachfrageschwäche, sondern auch von verfehlter Modellpolitik des Konzerns mit dem Stern verursacht wird. Natürlich gibt es gute Gründe für die Annahme, dass 2009 etwas weniger Güter und Dienstleistungen hergestellt werden, als im heute endenden Jahr. Nach einem mehrjährigen stabilen Aufschwung wäre das aber noch kein Beinbruch. Für Unkenrufe, für weit hergeholte Vergleiche mit der Krise von 1929 gibt es dagegen wenig Anlass - außer der grassierenden Lust am Schwarzmalen. Übersehen werden die Chancen. Stabile Preise und sinkende Zinsen verschaffen Verbrauchern, Unternehmen und Staat Gelegenheit, Anschaffungen vorzuziehen und Kredite günstiger zu finanzieren. Moderate Lohnabschlüsse sind möglich, die trotzdem Kaufkraft schaffen. Nachlassende Nachfrage nach Arbeitskräften schafft Freiraum für überfällige Qualifizierung zur Verringerung des Fachkräftemangels. Denn dass die Krise das boomende Geschäft deutscher Unternehmen etwa in den neuen EU-Staaten in Süd-Ost-Europa einbrechen lässt, ist nicht absehbar. Viele deutsche, nicht zuletzt baden-württembergische und bayerische Unternehmen zeichnen sich durch die Technologieführerschaft in ihrer Branche aus - sie würden profitieren von einem reinigenden Gewitter. Silvester 2008 mag Anlass sein, sich auf eigene Stärken zu besinnen und darauf mehr zu vertrauen, als auf Untergangspropheten, die den Zeitgeist bedienen. Nur Mut wird belohnt!

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