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Südwest Presse: Kommentar zur US-Wahl

    Ulm (ots) - Die magische Zahl lautet 270. So viele Wahlmännerstimmen musste Barack Obama für sich verbuchen, um 44. Präsident der USA zu werden und in Washington für eine historische Wachablösung zu sorgen. Dass er diese Schallmauer sogar spielend durchbrechen und gegen den Republikaner John McCain einen Erdrutschsieg feiern konnte, ist ein bedeutsamer Erfolg. Seine Tragweite ist nicht zu unterschätzen. Der souveräne Sieg, den nur die wenigsten in dieser Höhe erwartet hatten, ist ein klares Vertrauensvotum. Amerikanische Wähler jeder Hautfarbe, jedes Alters und jeder Religion haben nicht nur signalisiert, dass sie nach acht Jahren unter George W. Bush den "Wandel" wollen. Sie haben gleichzeitig unmissverständliche signalisiert, dass sie Barack Obama auch zutrauen, eine neue Zeit einzuläuten. Eine Ära, in der parteipolitische Interessen und Industrielobbyisten in den Hintergrund treten. Eine Ära, in der Demokraten und Republikaner, Weiße und Schwarze, Christen und Muslime, Reiche und Arme zusammenarbeiten, um die Nation aus zwei historischen Krisen herauszuführen. Die Leistung des Senators aus Illinois ist kolossal. Obwohl er seit seiner bewegenden Rede beim demokratischen Parteikonvent vor vier Jahren als Hoffnungsträger der Partei galt, war ein so kometenhafter Aufstieg dennoch kaum denkbar. Politische Experten hielten es schon für ein naives Ansinnen, dass er es nach nur kurzer Zeit im Senat bei den Vorwahlen mit der übermächtigen Hillary Clinton aufnehmen wollte, die sich als designierte Thronfolgerin der Demokraten verstand und das parteiinterne Ausscheidungsverfahren im Grunde nur als Formsache ansah. Selbst nachdem Obama diese Hürde genommen hatte, bestanden Zweifel: Würde nur 40 Jahre, nachdem die legendäre Rosa Parks verhaftet wurde, weil sie ihren Platz in einem öffentlichen Bus nicht für einen weißen Fahrgast räumen wollte, ein weiterhin von Weißen dominiertes Wahlvolk bereit sein, einem Afro-Amerikaner das höchste Amt im Lande anzuvertrauen? Amerikas Wähler haben diese Frage klar bejaht. Das spricht für sie. Nun aber geht es zur Sache. Mit der schwersten Wirtschaftskrise seit der Depression der 30er Jahre und der festgefahrenen Lage im umkämpften Irak steht Obama vor gewaltigen zwei Aufgaben. Der nächste Präsident hat längst begriffen, dass die Zeit zum Feiern schon bald vorbei ist und der Ernst des politischen Alltags in Washington wieder beginnen wird.

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