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Südwest Presse: Kommentar zum Arbeitsmarkt

    Ulm (ots) - So ein scheinbar widersprüchliches Bild kann die Wirtschaft abgeben: Inmitten der schwersten Finanzkrise seit Jahrzehnten und heftiger Rezessionsängste hat Deutschland die niedrigsten Arbeitslosenzahlen seit dem Wende-Boom vor 16 Jahren. Weniger als drei Millionen - welch ein Signal! Ein "Signal der Zuversicht", wie es Bundesarbeitsminister Olaf Scholz jetzt nennt, ist es aber nicht. Denn auf die Zukunft lässt die erfreuliche Statistik von heute leider nicht schließen. Weil der Arbeitsmarkt zeitverzögert auf die konjunkturellen Wellenbewegungen reagiert, ernten wir heute, was früher gesät wurde. Und auch umgekehrt gilt: Der Konjunktureinbruch, der in den letzten Wochen bedrohlich an Fahrt aufgenommen hat, wird in wenigen Monaten die Arbeitslosenzahlen wieder nach oben drücken. Eine starre Mechanik wird hierbei aber nicht am Werk sein. Politik und Tarifparteien können den Wirkungsmechanismus verstärken oder abschwächen - je nachdem, wie sie die Weichen stellen. Zur Zuversicht, dass aus dem schönen Erfolg die richtigen Schlüsse gezogen werden, besteht wenig Anlass. Unbestreitbar hat die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes mit zu den niedrigen Arbeitslosenzahlen geführt. Doch statt solch beschäftigungsfreundliche Politik auszubauen, bestimmen ganz andere Themen die Diskussion. Wie schnell ist doch vergessen, dass die beste Sozialpolitik jene ist, die Arbeitsplätze schafft.

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