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Südwest Presse: Kommentar: Aktienmarkt

Ulm (ots) - Wieder hat die Wirtschafts- und Finanzgeschichte einen jener Tage, die fortan als der "schwarze Freitag 2008" in die Bücher eingehen wird. Kurseinbrüche von bis zu zehn Prozent an den Leitbörsen dieser Welt und nicht bei fragwürdigen Zockerpapieren, sondern bei den Unternehmens-Glanzlichtern auf diesem Globus - das ist Panik pur. Das Entsetzen, das Börsenhändlern und Privatanlegern gleichermaßen ins Gesicht geschrieben stehen mag, muss dennoch relativiert werden: Nach 2001 sackte der Dax bis auf 2200 Punkte hinunter, gestern notierte er immer noch doppelt so hoch. Beruhigen kann dies den Anleger nicht, der zuletzt viel Geld verloren hat. Noch weniger aber die internationale Gemeinschaft, die sich um Wirtschaftswachstum und Wohlstand Gedanken macht. Der neue schwarze Freitag bedeutet vor allem, dass das Virus der Finanzkrise nicht auf den Krankheitsherd isoliert werden konnte. Der erste Damm ist gebrochen: Die Bankenkrise hat sich zur Börsenkrise ausgewachsen. Sie wird weiterwuchern, so lange die Angst umgeht, dass auch die Realwirtschaft angesteckt wird. Keine neuen Hiobsbotschaften aus der Wirtschaft, keine Bankenzusammenbrüche - nur die Angst vor der Zukunft hat zum Aktiencrash geführt. Alle Versuche der Regierungen und ihrer Zentralbanken, die Kreditklemme mit staatlichen Garantien, mit hunderten von Milliarden an Liquidität zu lockern, sind bisher ohne Erfolg geblieben. Die Politik ist entschlossen, alle Register zu ziehen; auch Deutschland würde niemals eine Großbank untergehen lassen und sie notfalls zeitweise verstaatlichen. Dass all dies aber die Nerven nicht beruhigt hat, ist der zweite Grund, der die Angst nährt. Das Vertrauen ist verspielt. Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch. Wie weit der Absturz an den Börsen noch geht, vermag niemand zu sagen; auch nicht, wie stark das Wachstum der Wirtschaft gedrosselt wird. Es gibt dennoch allen Anlass zur Zuversicht: Denn die Unternehmen sind in Deutschland sehr gut aufgestellt; selbst in den ungleich härter gebeutelten USA ist die Rezession noch nicht ausgemacht, das Wachstum in den starken Schwellenländern ist noch intakt. Dies wird auch an den Börsen bald wieder stärker in den Blick rücken. Hoffnungsvoll stimmt zudem, dass der unkontrollierte Casino-Kapitalismus an den Finanzmärkten bereits beerdigt ist. Der Läuterungsprozess, den der globale Kapitalmarkt gerade durchmacht, ist schmerzlich. Aber nur so ist gewährleistet, dass etwas Besseres nachfolgt. Pressekontakt: Südwest Presse Lothar Tolks Telefon: 0731/156218 Original-Content von: Südwest Presse, übermittelt durch news aktuell

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