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Südwest Presse: Kommentar zur Bahn

    Ulm (ots) - Hartmut Mehdorn hat die Notbremse gezogen. Mit lautem Quietschen hat er den geplanten Bedienzuschlag gestoppt. Allerdings musste der Bahnchef von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) getragen, angehoben und seine Hand an den knallroten Hebel gelegt werden. Dabei macht Mehdorn im Führerstand der Bahn seit fast neun Jahren nicht immer einen schlechten Job. Das ehemals marode Staatsunternehmen Bahn fährt satte Gewinne ein und ist auch international gut aufgestellt. Allerdings verliert der 66-Jährige ganz vorn im Zug mit seinem Tunnelblick auf den geplanten Börsengang regelmäßig einige Personen aus den Augen, die weiter hinten sitzen: seine Kunden. Von denen nimmt Mehdorn wenn überhaupt nur die Passagiere des prestigeträchtigen Fernverkehrs wahr. Denn nur fünf Prozent der Bahnkunden fahren IC und ICE, alle anderen sind regional unterwegs. Trotzdem redet der ehemalige Airbus-Ingenieur Mehdorn immer wieder von der Konkurrenz zu den Fluggesellschaften. Die nähmen auch eine Servicegebühr am Schalter. Der verhinderte Chefpilot vergisst dabei, dass Lufthansa und Co. nicht von Tübingen nach Stuttgart oder Heidenheim nach Ulm fliegen. Und das die Bahn für alle da sein sollte, die einfach von A nach B wollen, ohne abschreckende Zuschläge. Denn mit leeren Zügen fährt es sich schlecht zum Börsenbahnhof.

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