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Südwest Presse: Kommentar zum Niedriglohn

    Ulm (ots) - Was ist ein Niedriglohn? Da hat jeder sicher ganz unterschiedliche Vorstellungen. Wissenschaftlern oder Politikern hilft das wenig. Sie brauchen für Analysen klare Grenzen, die zwangsläufig willkürlich sind. Alles unter 9,61 Euro im Westen und 6,81 Euro im Osten ist niedrig, definiert das Institut Arbeit und Qualifikation an der Uni Duisburg-Essen. Darunter fällt fast jeder vierte Arbeitnehmer - eine Zahl, die erschreckt, zumal der Anteil seit Jahren ständig steigt. Nimmt man dagegen 7,50 Euro - also den Betrag, den die SPD als Mindestlohn fordert -, ist nur jeder achte Arbeitnehmer betroffen, hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung errechnet. Auch das ist wenig befriedigend, aber bei weitem nicht so dramatisch. Unbestreitbar ist die wachsende Lohnkluft: Die schlecht Bezahlten haben inflationsbereinigt heute deutlich weniger im Geldbeutel, die Besserverdienenden dagegen etwas mehr als vor zehn Jahren. Darin steckt jede Menge sozialer Sprengstoff. Die Arbeitnehmer haben so den Aufschwung der letzten Jahre erkauft und die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen gestärkt - und damit letztlich die Sicherheit ihrer Arbeitsplätze. Kein Wunder, dass sie jetzt ein größeres Stück vom Kuchen fordern. Ob davon allerdings bei den Geringverdienern viel ankommt, ist zu bezweifeln. Ihre Zahl nimmt zu, die der Gewerkschaftsmitglieder dagegen ab. Das ist erstaunlich. Denn eigentlich ist mehr Solidarität nötig, um höhere Löhne durchzusetzen. Wenn gerade die Gewerkschaften nach Mindestlöhnen rufen, geben sie letztlich zu, dass sie diesen Kampf für und um die Schwächsten verloren haben.

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