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Südwest Presse: Kommentar zur Lehrlingslücke

    Ulm (ots) - Not macht erfinderisch, weiß der Volksmund. Doch nicht jede Notlösung ist auch ein Geniestreich. Das gilt zum Beispiel für die Einlassungen des Hanns-Eberhard Schleyer. Der Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerkes will die sich dramatisch zuspitzende Lehrlingslücke insbesondere im Osten der Republik mit jungen Leuten aus Polen oder Tschechien füllen. Dagegen spricht zwar im Prinzip überhaupt nichts. Ganz im Gegenteil, wenn man so einen Beitrag zur Vertiefung der europäischen Integration leisten kann, dann nur zu. Es steht allerdings nicht zu erwarten, dass die jungen Osteuropäer mit perfekten Deutschkenntnissen zwischen Elbe und Oder auflaufen werden. Das Handwerk müsste sie in Wahrheit erst fit machen für einen erfolgreichen Start in eine Berufsausbildung in Deutschland. Doch wo dann der Unterschied sein soll zu Jugendlichen, die längst in Deutschland leben, die man aber von Seiten des Handwerks - wie auch der Industrie - unter anderem wegen sprachlicher Defizite als nicht ausbildungsfähig abqualifiziert, das muss Schleyer erst noch erklären. Statt weiter derlei halbgaren Gedanken nachzuhängen wäre es weitaus effektiver, wenn der Handwerks-Generalsekretär solche Fitnessprogramme für die jungen Menschen aus dem Boden stampfen würde, die sich vorderhand noch schwer tun mit den Anforderungen im Ausbildungsalltag.

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