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Südwest Presse: Kommentar zum Fußballspiel

    Ulm (ots) - Die Szenen sind unglaublich: Gelb-rot-schwarz geschminkte Fans klopfen rot-weiß bemalten Fußballfreunden aufmunternd auf die Schultern. In den endlos erscheinenden Autokorsos, die sich spät nachts noch durch die Innenstädte schlängeln, fahren Wagen mit deutschen und türkischen Nationalsymbolen, nicht selten an einem Pkw vereint. Seit' an Seit' wird gefeiert; ganz so, als habe das EM-Fußball-Halbfinale in Basel ausnahmsweise mehr als einen Sieger hervorgebracht. Das ist in gewisser Weise auch so; nicht nur weil die türkische Mannschaft ein gutes Spiel gemacht hat. Auch die Millionen von Fans zeigten sich europameisterlich. Sie ermöglichten, dass die Fußballparty fast überall friedlich blieb. Dem Fußball-Sommermärchen, das mit der WM 2006 begonnen hatte, wurde ein weiteres Kapitel zugefügt. Politisch sagt das zumindest soviel: Einheimische und Zugewanderte haben ein großes Potenzial für ein friedliches Miteinander. Das bewies jetzt auch die deutsche Seite. Negative Einzelfälle überdecken allzu oft, was beim überwiegenden Teil der Bevölkerung an Zusammenleben im Alltag meist geräuschlos klappt. Auch die so oft kritisierte Abgrenzung von Menschen mit türkischem Hintergrund, die zuletzt beim merkwürdigen Auftritt des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan in einem Kölner Stadion öffentliches Thema wurde, ist nur ein Ausschnitt der Realität in diesem Land. In manch türkischer Brust schlägt mittlerweile auch ein deutsches Herz. Das ist mehr, als zu erwarten war. Ausgerechnet der Fußball hat das sichtbar gemacht. Man möchte sich eine Fortsetzung der EM wünschen.

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