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Südwest Presse: Kommentar zu Lohnunterschieden

    Ulm (ots) - Männer verdienen viel mehr als Frauen. Was als statistischer Befund richtig ist, stimmt weit weniger in dem Sinne, wie dies jetzt mancher Populist deuten will. Für ein und denselben Job wird in Deutschland - von Ausnahmen abgesehen - tariflich auch gleicher Lohn bezahlt. Die individuelle Diskriminierung, die seit 2006 auch gesetzlich ausdrücklich verboten wird, ist also nicht das Problem. Nicht die vermeintlich schlecht bezahlenden Unternehmen sind das Problem, sondern der Umstand, dass die deutsche Gesellschaft die Vereinbarkeit von Beruf und Familie immer noch schlechter als im europäischen Vergleich hinbekommt. Es gilt nach wie vor die Gleichung: Kindererziehung ist Frauensache; Frauen, die Kinder erziehen, scheiden zeitweise aus dem Beruf aus, vermindern damit ihre Chancen auf Führungs- und damit besonders gut bezahlte Stellen. Dass Frauen bei individuellen Gehaltsverhandlungen weniger offensiv auftreten, mag dazu noch ebenso eine Rolle spielen wie ein undurchsichtiges Prämiensystem. Weit mehr ins Gewicht fallen Teilzeitarbeit, die ebenfalls eine familienbedingte Domäne der Frauen ist, und die verbreitete weibliche Prägung auf schlecht bezahlte Dienstleistungs- oder Pflegeberufe. So eignet sich das Ganze nur bedingt zum Ausrufen eines neuen Skandals in der Wirtschaft. Wenn schon, dann ist es die Familienpolitik, die die Frauen im Beruf benachteiligt - zum Schaden der Wirtschaft.

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