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Südwest Presse: Kommentar zu Afghanistan

Ulm (ots) - Erstaunlich ruhig ist es gestern quer durch die Parteienlandschaft geblieben, als Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) die schnelle Eingreiftruppe nach Afghanistan verabschiedet hat. Einzig die Linkspartei konnte sich nicht verkneifen, wieder von einer neuen Qualität des Einsatzes zu sprechen, ja sogar zu behaupten, es gebe erstmals einen Kampfauftrag. Derartig dramatische Formulierungen sind fehl am Platz. Fakt ist, dass auch die Bundeswehrsoldaten, die bisher im Rahmen der internationalen Schutztruppe Isaf eingesetzt sind, jederzeit in Kämpfe verwickelt werden können. Die Lage in Afghanistan ist nicht stabil. Gerade im Süden und Osten gibt es immer wieder Scharmützel mit Taliban-Milizen oder kriminellen Banden, die sich ihr Geschäft mit Drogen nicht durch die Anwesenheit der Isaf verderben lassen wollen. Doch auch im Norden, in dem die Deutschen für die Sicherheit zuständig sind, mehren sich Übergriffe, tauchen Selbstmordattentäter auf. Die Mission, die den Afghanen den lang ersehnten Frieden sichern soll, ist alles andere als friedlich. Die schnelle Eingreiftruppe, die Deutschland als Nachfolger für Norwegen nun stellt, ist lediglich ein weiterer Baustein in der Sicherheitsarchitektur dieses Einsatzes. Weitaus interessanter als die Entsendung der Spezialisten-Truppe ist eine Aussage des Verteidigungsministers: Erst in "10 bis 15 Jahren" rechnet er damit, dass die Afghanen ihr Land selbst absichern können. Das klingt sehr optimistisch angesichts der aktuellen Situation am Hindukusch: viel zu wenige eigene Soldaten, viel zu wenige Polizisten, dafür aber eine ungeliebte und sehr korrupte Regierung. Stabilität sieht anders aus. Pressekontakt: Südwest Presse Lothar Tolks Telefon: 0731/156218 Original-Content von: Südwest Presse, übermittelt durch news aktuell

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