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Südwest Presse: Kommentar zum Bundespräsident

    Ulm (ots) - Mit Horst Köhlers Entscheidung, sich um eine zweite Amtszeit zu bewerben, und der Absicht der SPD, erneut Gesine Schwan als Gegenkandidatin aufzubieten, erhält die Bundesversammlung in einem Jahr eine besondere Note. Weil wenige Monate später die Bundestagswahl stattfindet, geht es am 23. Mai 2009 nicht nur um Köhler oder Schwan, sondern zugleich um ein vorgezogenes Kräftemessen um die Macht in Berlin. Es liegt eine brisante Ironie darin, dass mit diesen beiden Kontrahenten ausgerechnet zwei Persönlichkeiten in einen Wettstreit treten, die dem oft schillernden Bild, das sich das Publikum von Berufspolitikern macht, so gar nicht entsprechen. Auch wenn es Union und FDP bei Köhlers Nominierung an Stil und Anstand haben fehlen lassen - das amtierende Staatsoberhaupt hat es so wenig wie seine mutmaßliche Herausforderin verdient, nun zu Schachfiguren in einem Spiel rivalisierender Parteien und Lager zu werden. Horst Köhlers Mut zum Risiko ist höchst ehrenwert, und auch Gesine Schwans Bereitschaft, sich auf eine schwierige Debatte über das Verhältnis ihrer SPD zur Linkspartei einzulassen, zeugt von einer Furchtlosigkeit, die sie als unabhängige Professorin schon mehrfach bewiesen hat. Daher sollten sich die Parteien ein Vorbild an der Einstellung der beiden Bewerber nehmen und im Vorfeld der Präsidentenwahl wenigstens ein Mindestmaß an taktischer Zurückhaltung wie politischer Objektivität walten lassen. Dass diese Abstimmung in den Strudel des Bundestagswahlkampfs gerät, ist angesichts der Terminlage und der herrschenden Verhältnisse aber wohl unausweichlich.

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