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Südwest Presse: Kommentar zum Thema Managergehälter

    Ulm (ots) - Es ist billig, Managergehälter allein zur Sache der Unternehmenseigner zu erklären und die Forderung nach Eingriffen des Staates gegen die Auswüchse zur systemfremden Symbolpolitik. Doch in Zeiten, in denen um jeden Euro mehr Rente gerungen wird, Langzeitarbeitslose am Rande des Existenzminimums wandeln und Eltern sich krummlegen müssen, um Kindergarten- oder Studiengebühren zu zahlen, stoßen die annähernd 60 Millionen Euro, die etwa Porsche-Chef Wendelin Wiedeking im Jahr einstreicht, auf starke Akzeptanzprobleme. Politiker, denen am Zusammenhalt der Gesellschaft gelegen sein muss und die radikal-populistische Konkurrenz wie die Linke im Nacken haben, können das Thema nicht ignorieren. Natürlich entscheiden formal die Besitzer, also in der Regel die Aktionäre, über die Vorstandsgehälter. Die Vorstellung, dies sei eine Art demokratischer Kontrolle, geht allerdings angesichts der Verflechtung der Großunternehmen und des Bankeneinflusses darauf fehl. Auch bei den kontrollierenden Aufsichtsräten gilt nicht selten, dass eine Hand die andere wäscht und man sich nicht gegenseitig wehtut. Angesichts einschlägiger Erfahrungen mit gesetzlichen Eingriffen in die Lohnfindung löst jedoch die Vorstellung große Zweifel aus, dass der Staat die Fehlentwicklung besser regulieren könne als der Markt. Ordnungspolitisch sauberer wäre es, behielten die internen Kräfte in der Wirtschaft die Oberhand, die durch mehr Transparenz und stärkere Haftung der Aufsichtsräte bei Exzessen auf die Selbstheilungskräfte des Systems setzen. Viel Zeit dafür bleibt angesichts der politischen Gemengelage jedoch nicht mehr.

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