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Südwest Presse: Kommentar zu Ludwigshafen

    Ulm (ots) - Misstrauen ist nicht angesagt - auch nicht von deutscher Seite. Dass die türkische Regierung nach dem verheerenden Brand in Ludwigshafen, bei dem neun Menschen ums Leben gekommen sind, an Informationen aus erster Hand interessiert ist, kann niemanden verwundern. Auch die Unterstützung türkischer Ermittler ist zu begrüßen. Sie entspricht nicht nur internationalen Gepflogenheiten in schweren Unglücksfällen. Sie hilft auch - und wenn es nur darum geht, Argwohn und Unterstellungen auf türkischer Seite aus dem Weg zu räumen. Die deutschen Ermittler haben nichts zu verbergen, auch wenn die Ursache des Unglücks noch nicht festgestellt ist. Das ist den Gefahren an der Unglücksstelle geschuldet, nicht aber dem Unwillen von Polizei und Feuerwehr. Kooperation und Offenheit können jetzt zu jener Mäßigung beitragen, an der beide Seiten interessiert sein müssen. Schließlich sind die Erinnerung an den Brandanschlag von Solingen Anfang der 90er Jahre noch wach, bei dem die deutsche Seite zu lange ignoriert und abgewiegelt hat. Die Tragödie von Ludwigshafen sollte nicht instrumentalisiert werden. Dass der türkische Ministerpräsident seinen Trauerbesuch nutzt, um vor Ort in türkischer Sprache Politik zu machen, mag dem wegen seiner Kopftuch-Reformen angegriffenen Premier zuhause nutzen. Dem deutsch-türkischen Verhältnis schadet es - und den Hinterbliebenen auch.

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