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Südwest Presse: Kommentar zu Aleviten

    Ulm (ots) - Es trifft die liberalste Strömung unter den Muslimen: Ausgerechnet eine alevitische Familie war Handlungsort eines "Tatort"-Krimis, bei dem ein Inzestfall mit einem Mord vertuscht werden sollte. Keine Frage: Sexueller Missbrauch kann in jeder Familie geschehen, auch bei Aleviten. Doch die Verbindung gerade dieses Themas mit der relativ unbekannten, kleinen Glaubensgemeinschaft trifft ins Mark. Sie fürchtet erneute Verfolgung. Weil Männer und Frauen bei ihnen gemeinsam beten und feiern, machen andere Muslime mit dem Inzest-Vorwurf seit Jahrhunderten gegen sie Stimmung. Es bleibt auch heute nicht bei Pöbeleien. Erst 1993 töteten religiöse Fundamentalisten 37 Aleviten in der türkischen Stadt Sivas. Die Verfolgung hat sich tief ins Gedächtnis der Aleviten eingegraben. Dass dieser Zusammenhang der Regisseurin entgangen sein soll, ist schwer nachvollziehbar. Ihr Film war gelinde gesagt unglücklich, möglicherweise auch eine Provokation. Ein Beitrag zur Volksverhetzung ist er aber nicht. Der Vorwurf greift zu weit. Wo jedoch die Recherche der Autoren unzureichend ist, hätte die Sorgfaltspflicht der öffentlich- rechtlichen ARD greifen müssen. Ein Hinweis auf den fiktiven Charakter des Krimis vorab reicht da nicht, ebenso wenig der nachträgliche Verweis auf Pressefreiheit. Bei mächtigeren Religionsgemeinschaften wäre man vermutlich nicht so ignorant vorgegangen.

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