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Südwest Presse: Kommentar zu Stoiber

    Ulm (ots) - Die Unkenrufer, er werde seine Einladung nach Brüssel nur nutzen, um Maximalforderungen zu erheben und bei Ablehnung den Job wieder fallen lassen, hat Edmund Stoiber jedenfalls schon mal eines Besseren belehrt. Er scheint zumindest ernsthaft versuchen zu wollen, beim Entrümpeln der EU-Bürokratie zu helfen. Dennoch könnte er bald zur Überzeugung kommen, dass es klüger gewesen wäre, sich um seinen Vorgarten in Wolfratshausen oder andere sinnvolle Beschäftigungen im schönen Bayern zu kümmern. Denn warum sollte der allein auf Überzeugung angewiesene "Berater" Stoiber reüssieren, wo ein mit üppigem Apparat und Kompetenzen ausgestatteter Kommissar wie Günter Verheugen zunehmend zu scheitern droht? Es wird auch nicht die Autorität des Alt-Ministerpräsidenten in Brüssel mehren, dass er sich in Bayern eher nicht als Staats-Verschlanker einen Namen gemacht hat. Und manche Wahlkampf-Spitze früherer Tage und manch von ihm verbreitetes Klischee über die EU wird ihn der Brüsseler Apparat auch noch spüren lassen. Politik als Droge - nicht viele Verantwortliche aus der ersten Reihe der Regierenden schaffen es, ihr einfach so zu entsagen. Die Sorge, dass ihm daheim in Bayern der weiß-blaue Himmel auf den Kopf fällt, hat Stoiber denn wohl auch eher bewogen, das undankbare Angebot der EU-Kommission anzunehmen, als der Reiz der Aufgabe. Mal sehen, wie lange der Bayer mit dem preußischen Pflichtgefühl sich ihr stellt.

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