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neues deutschland: Die USA am Scheideweg¶

Berlin (ots) - Obwohl sich niemand das vorstellen möge, sei ein Präsident Donald Trump nicht ausgeschlossen, sagte jüngst der amerikanische Schriftsteller Aleksandar Hemon: Terror im Wahlkampf etwa könne viel bewegen. War »Orlando« dieser Katalysator? Bevor noch die Opfer identifiziert waren, startete Trump durch: Er dankte für die »Glückwünsche«, die ihn ob seiner »Stärke« erreichten, spielte - wiewohl der Täter US-Bürger war - auf einen Muslim-Einreisestopp an und forderte den Rücktritt der Schwächlingsregierung. »IS versus US«, bringt die »New York Post« diese außenpolitische Interpretation des blutigsten Schusswaffenmassakers in der Landesgeschichte auf den Punkt: Die gegen uns. Eher innenpolitisch klingt dagegen das Konkurrenzblatt »Daily News«. »Danke, NRA«, titelt es bitter: Die Waffenlobby sei mitverantwortlich für dieses aberwitzige Hassverbrechen mit »Tötungsmaschinen«. Schon heißt es allerorten, die Bluttat von Orlando werde das Land verändern. In der Tat stehen die USA am Scheideweg: Welche Lesart setzt sich durch? Sollte die erstere obsiegen, könnte die Tat nicht zuletzt als Bindeglied zwischen Trump und der Kreuzritterfraktion fungieren, die mit dem schillernden Magnaten trotz dessen Islam-Bashing bisher fremdelt. Das wäre ein Treppenwitz: Ein Massenmord an Schwulen und Lesben brächte dann eine religiöse Rechte in die Nähe der Macht, die Homosexualität selbst zutiefst verachtet.

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