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Neues Deutschland: Chance in Kabul

Berlin (ots) - Die Geheimgespräche sind nicht mehr geheim. Kabuler Regierungsvertreter und Abgesandte der Shura von Quetta und damit des obersten Kopfs der Taliban, Mullah Mohammed Omar, sollen erstmals gemeinsam am Verhandlungstisch gesessen haben. Das wäre eine neue Qualität, seit Präsident Hamid Karsai Anfang des Jahres die Gotteskrieger zum Dialog aufgerufen hat. In der Vorwoche gab seine Regierung die Zusammensetzung eines Friedensrates bekannt, der künftig direkte Gespräche mit den Taliban aufnehmen soll, die sich jetzt angeblich vom Terrornetzwerk Al Qaida losgesagt haben.

Sollte das Ziel dieser Verhandlungen eine Friedensvereinbarung samt Abzug der NATO-geführten internationalen Truppen sein, böte sich tatsächlich eine realistische Chance, den neunjährigen Krieg endlich zu beenden. Denn auch die jüngste »Großoffensive« der ISAF zeigt, dass man letztlich nicht in der Lage ist, die Taliban flächendeckend zurückzudrängen. Wobei eine umfassende politische Lösung auch die regional so mächtigen Warlords einbinden und die afghanische Zivilgesellschaft beteiligen müsste. Allen Seiten sollte inzwischen klar sein: Militärisch ist dieser Guerillakrieg nicht mehr zu gewinnen. Doch noch stehen die Verhandlungen ganz am Anfang, und es wäre schon sehr hilfreich, wenn die NATO nicht länger gesprächsbereite Führungskräfte der Taliban liquidieren würde. Und im nächsten Schritt so schnell wie möglich abzieht.

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