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Neues Deutschland: zur Debatte um Papst und Vatikan

    Berlin (ots) - Offenbar ist die Suche nach Sündenböcken doch nicht die einfachste von allen Jagdarten, wie Eisenhower meinte. Immerhin brauchte der Vatikan fast zwei Wochen, um der Öffentlichkeit den Mann zu servieren, der den Skandal um die Heimholung eines Holocaust-Leugners in den Schoß der heiligen Mutter Kirche maßgeblich verschuldet haben soll: Kardinal Darío Castrillón Hoyos, Vorsitzender der Kommission zur Reintegration der abtrünnigen Priesterbruderschaft St. Pius X. Wenn jemand von den Äußerungen des britischen Bischofs Richard Williamson »hätte wissen müssen«, dann sei das der kolumbianische Kurienkardinal gewesen, verkündete Vatikansprecher Federico Lombardi. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, warf Castrillón Hoyos gar vor, er habe »den Papst leichtfertig ins Messer laufen lassen«. Benedikt XVI. als Opfer der Inkompetenz eines Subalternen? Ungeachtet aller Kommunikationsdefizite im konkreten Fall sollte nicht vergessen werden, dass es Joseph Ratzinger ist, der die möglichst schnelle Wiedereingliederung der reaktionären Renegaten zu seiner Herzensangelegenheit erklärte. Dafür gab er sogar der lateinischen Messe sein Plazet. Und als langjährigem Chefinquisitor dürfte ihm die Geistesverfassung der Traditionalistentruppe kein Buch mit sieben Siegeln sein. Wenigstens muss der Sündenbock Castrillón Hoyos nicht in die Wüste gejagt werden. Der 79-Jährige wird ohnehin demnächst pensioniert.

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