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Neues Deutschland: zu den Ausschreitungen in Südafrika

    Berlin (ots) - Es gibt viele Erklärungen, aber keinerlei Rechtfertigung: Die Jagd armer Südafrikaner auf arme Flüchtlinge ist schändlich. Das Muster, dass Marginalisierte bisweilen ihren berechtigten Frust über ihre missliche Lage an Minderheiten auslassen, ist so altbekannt und allgemein verbreitet wie widerwärtig. Dafür muss man nicht nach Südafrika schauen, das zeigt ein Blick auf Italien heute oder ein Blick in die deutsche Geschichte und, auf anderem Niveau, in die deutsche Gegenwart. Überall dort, wo sich Gewalt breit macht, ist Staats- und Politikversagen nicht weit. Auch wenn in Südafrika im Gegensatz zu Italien Fremdenfeindlichkeit nicht im Regierungsprogramm steht, so ist es dem Afrikanischen Nationalkongress bisher nicht annähernd gelungen, der schweren Bürde der Apartheid Herr zu werden. Vom Wirtschaftswachstum und der Umverteilung profitiert zuallererst die schwarze Mittel- und Oberschicht - für die Armen in den Slums blieben bisher bestenfalls Brosamen. Auf die erwartete Demokratiedividende warten sie bis heute vergeblich - allen Investitionen der Regierung in Bildung und Soziales zum Trotz. Seit Apartheid-Zeiten herrscht in Südafrika ungebrochen eine Kultur der Gewalt - 50 Morde am Tag sprechen Bände. Nun trifft sie die Schwächsten der Schwachen. Mit Appellen wird Staatschef Mbeki nichts lösen. Dazu bedarf es einer Umverteilungspolitik, die greift.

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