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Neues Deutschland: zur weltweiten Ernährungskrise

    Berlin (ots) - Es grassiert in Kommentaren und Appellen, es macht sich breit in Regierungserklärungen und Weltuntergangsszenarien - das große WIR. Die zum Medienthema avancierte Ernährungskrise ist die aktuelle Folie für die Inflation dieser Vereinnahmungsvokabel. »Wenn alle so leben wie w i r, verkraftet das die Erde nicht«, prophezeit der Grünenpolitiker und Bremer Umweltsenator Reinhard Loske. Und die Welthungerhilfe-Chefin Ingeborg Schäuble kritisiert, »dass w i r im Norden Überschüsse produzieren und diese dann erneut zu billigen subventionierten Preisen in die Entwicklungsländer schicken«, wo sie die Märkte und die Existenz vieler Kleinbauern zerstören. Zwei Beispiele, die durchaus repräsentativ sind. Die rhetorische Gleichschaltung einer sozial immer tiefer zerklüfteten Gesellschaft ist dabei ebenso unredlich wie die Bezichtigung eines Viertels der Weltbevölkerung als skrupellose Ausbeuter der Dritten Welt. Die (Selbst-)Kritik an der westlichen Lebensweise wird so jeder konkreten Verantwortung entkleidet und an eine amorphe Masse adressiert, die sich gefälligst ändern soll. Fragt sich nur wie - angesichts der Geworfenheit in ein System, das bei Strafe seines Untergangs unentwegt Waren ausspucken und verhökern muss: exzessiver Fleischkonsum, irrwitzige Autoproduktion, Massentourismus rund um die Welt ... Dem metastatischen Wucherwuchs Grenzen der Vernunft zu setzen, stand nie auf der Agenda der Politik. Diese klammert sich lieber ans WIR.

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