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NRZ: Der billige Aufschwung - ein Kommentar von PETER HAHNE

Essen (ots) - Deutschland stehen wirtschaftlich rosige Zeiten bevor. Folgt man den führenden Konjunkturforschungsinstituten bei ihrem Blick in die Glaskugel, wird das Wachstum in diesem Jahr um gut zwei Prozent und damit sehr kräftig zulegen. Gewiss: Solche Prognosen sind immer mit Vorsicht zu genießen und nur solange mit einer gewissen Eintrittswahrscheinlichkeit versehen, wie nichts Unvorhergesehenes dazwischen kommt. Doch die Grundrichtung dürfte stimmen. Wirft man indes einen Blick auf die Triebfedern des Wachstums, erkennt man schnell, dass der Boom im Wesentlichen auf Sonderfaktoren beruht, die keinen Rückschluss auf die Qualität der Wirtschaftspolitik zulassen. Billiges Geld, billiger Euro, billiges Öl: Dreimal billig steht im Zentrum des neuen deutschen Wirtschaftswunders. Und weil alles so schön billig ist, tragen auch die Konsumenten einen vor Jahren noch undenkbar hohen Anteil ihres Einkommens in die Geschäfte.

Das ist einerseits gut, die Binnenkonjunktur hat sich zu einer soliden Konjunkturstütze entwickelt. Doch die radikale Hinwendung zum Konsum und der damit entfachte Konjunkturschub verdecken zunehmend die Bedeutung der langfristig wichtigen Wachstumsvoraussetzungen. So steigen die Ausrüstungsinvestitionen der Unternehmen für einen Aufschwung ungewöhnlich langsam. Nicht besser sieht es bei den Investitionen der öffentlichen Hand aus. Und schließlich leistet sich Deutschland noch immer ein erstarrtes Bildungssystem, das Herkunft über Leistung stellt. Schön, dass die Wirtschaft wächst. Doch die Regierung muss mehr tun, damit das auch in Zukunft so bleibt.

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