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Westfalenpost: Eine Protestnote gegen Massenmord Von Martin Korte

Hagen (ots) - Ach, was regen wir uns eigentlich auf? Saudi-Arabien ist kein demokratisches Land, die Gesetzgebung stammt aus dem Mittelalter und ähnelt der des Islamischen Staats, Frauen werden unterdrückt, Andersdenkende diskriminiert. Jetzt hat das Königreich mal wieder im Staatsauftrag Menschen töten lassen, und weil die Herrscher in diesem Fall eine Massenhinrichtung anordneten und sich ein schiitischer Regime-Kritiker unter den Opfern befindet, empört sich die freie Welt. Die Vereinten Nationen bezweifeln, dass der angeordnete Massenmord den Maßstäben des internationalen Rechts Rechnung trägt. Hört, hört! Das ist doch alles scheinheilig. Saudi-Arabien richtet seit Jahren Menschen hin, verurteilt kritische Geister zu Peitschenhieben, ahndet den Handel von Alkohol mit dem Tod durch das Schwert und verbietet es Kassiererinnen, Männer zu bedienen. Alle, die mit Saudi-Arabien Handel treiben, die das Öl des Wüstenreichs kaufen und ihm im Gegenzug moderne Waffen liefern, wissen das längst. Nun schicken sie wieder Protestnoten nach Riad und bestellen im schlimmsten Fall Botschafter ein. Mehr nicht. Nächste Woche spricht niemand mehr über die 47 Toten. "So funktioniert halt Realpolitik" - sagen jetzt die Realpolitiker. "Kann man nichts dran ändern." Kann man nicht? Sind wir verpflichtet, Waffen nach Saudi-Arabien liefern? Müssen wir gute Beziehungen zu einem menschenverachtenden, anachronistischen Staat pflegen? Haben wir am Weltbild der Saudis eigentlich irgend etwas zum Besseren verändert, seit wir mit ihnen zusammenarbeiten? Mit Protestnoten werden wir die Haltung der Despoten dort nicht beeinflussen.

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