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Westfalenpost: Die Nachwuchssorgen der Unternehmen bleiben
Kommentar von André Schweins zum "Chancenspiegel" des Schulsystems

Hagen (ots) - Ein schönes Zahlenwerk für das Schulsystem in Nordrhein-Westfalen. Aber nur auf den ersten Blick. Weniger Abgänger ohne Abschluss als im Bundesdurchschnitt, zudem erwerben sechs von zehn jungen Erwachsenen die Hochschulreife und treiben die NRW-Statistik auf zehn Prozentpunkte höhere Werte als im bundesdeutschen Mittel: Ist das der Ritterschlag für ein System, das sich ja nach wie vor in aufgeregter Diskussions-Unordnung präsentiert? Wohl kaum. Der Blick ist zu richten auf die wenig erfreulichen Ergebnisse des "Chancenspiegels": Dass der Bildungsstand noch immer zu stark abhängig ist von der sozialen Herkunft, legt Zeugnis darüber ab, dass gezielte Förderung wie der Ganztag nur ganz langsam eine geringere Unterstützung aus dem familiären Umfeld aufzufangen beginnt. Das Problem ist lange erkannt, die Gefahr aber noch lange nicht gebannt. Regionale Besonderheiten im Zahlenwerk sollten ebenfalls Warnung genug sein, Experimenten in der Schullandschaft einen Riegel vorzuschieben. Bereitet NRW seine Kinder und Jugendlichen besser auf ein hochwertiges Abitur vor - oder ist gar die Qualität der Hochschulreife zu hinterfragen? Derartige Gedankenspiele sind müßig. Unternehmen wie die erfolgreichen Mittelständler unserer Region haben vielmehr ein großes Interesse daran, dass nicht alle Abiturienten in das klassische Studium im wahrsten Sinne des Wortes abwandern. Für den Mitarbeiter-Nachwuchs müssen klassische Ausbildung und berufsbegleitendes Studium attraktiv gehalten werden. Sonst verstärken erfreuliche Hochschulreife-Zahlen die Nachwuchssorgen in den Betrieben. Ein Problem, dass durch die demografische Entwicklung schon über Gebühr befeuert wird.

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