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Westfalenpost: Eiszeit
Kommentar von Harald Ries zu den Gesprächen Merkels mit Putin

Hagen (ots) - Es gibt ja Menschen in Deutschland, die Putins Weltsicht teilen. Die, wie manche Linke, hinter allen Übeln der Welt USA und CIA vermuten. Oder wie viele Rechte, auch bei der AfD, Bewunderung für eine autoritäre Führung hegen, Meinungspluralität gering schätzen, Minderheiten verachten, Sympathie für völkische Ideologie empfinden und Großmachtdenken mit Einflusssphären nachvollziehen können. Die fanden wahrscheinlich Wladimir Putins Weltsicht, die er Sonntagabend in der ARD, ungestört von kritischen Nachfragen und Realitäts-Checks, verbreiten durfte, recht überzeugend. Sie geben dem Kreml-Chef Anlass zur Hoffnung, er könne über eine besondere Beziehung zu Deutschland EU und Nato spalten. Angela Merkels Äußerungen von Sydney dürften ihm diesen Zahn gezogen haben. Hat sich die Lage verschärft? Im Moment nur rhetorisch. Ganz offenbar aber ist die vor den Gesprächen am Rande des G20-Gipfels erhoffte Entspannung komplett ausgeblieben. Unsicherheiten belasten: Was will Putin? Geht es nur um die Ukraine? Welche wirtschaftlichen Folgen werden die Sanktionen für den Westen noch haben? Auf beiden Seiten scheint das Vertrauen für eine Kompromisslösung zu fehlen. Einen heißen Konflikt mag man sich nicht vorstellen. Aber eine jahrelange Eiszeit, wie sie sich jetzt andeutet, ist auch angesichts der anderen internationalen Krisenherde bedrohlich.

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