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Westfalenpost: Protest unterschätzt
Kommentar von Wilfried Goebels zur Versteigerung von Warhol-Bildern

Hagen (ots) - Ausverkauf, Tabubruch, Kunstfrevel? Die geplante Versteigerung der zwei Warhol-Bilder wirft kein gutes Licht auf das Verhältnis der Regierung Kraft zur Kultur. NRW verscherbelt sein Tafelsilber, um die maroden Finanzen der landeseigenen Casinos zu sanieren. Der Aufschrei der Kulturszene ist verständlich, Kunstwerke im öffentlichen Besitz dürfen nicht verhökert werden. Allerdings hat der "Fall Warhol" auch eine andere Seite. Längst ist der internationale Kunstmarkt zur Spekulationsbörse mutiert: Die beiden Warhols werden auf mehr als 100 Millionen Euro geschätzt, wurden aber vor Jahren mit öffentlichem Geld für gerade 400 000 Mark gekauft. Statt die Bilder im Tresor zu verstecken, ließe sich mit dem Geld eine Menge für die klammen Theater und Museen bewirken. Der Sündenfall beruht darin, dass die Kunstmillionen schnöde Casinos retten sollen. Es scheint, Rot-Grün hat den Protest unterschätzt. Wenn Kraft jetzt versucht, die Verantwortung für den Deal auf Casino-Betreiber Westspiel abzuwälzen, ist das scheinheilig. Schließlich hat die Landesregierung schon im Frühjahr grünes Licht gegeben. Im Verwaltungsrat der landeseigenen NRW.Bank saßen Vertreter von SPD, Grünen - und CDU. Damit sind die Christdemokraten mit im Boot. Aber der "Fall Warhol" bleibt ein Einzelfall. Dafür dürfte die öffentliche Watsche gesorgt haben.

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