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Westfalenpost: Ein bisschen mehr Ernsthaftigkeit, bitte
Kommentar von Martin Korte zur Europawahl

Hagen (ots) - Ach, es ist ja so einfach, sich über die Europäische Union lustig zu machen. Martin Sonneborn, den wir aus der "heute-show" kennen, treibt es auf die Spitze. Deutschlands Chef-Satiriker und Gründer der Partei "Die Partei" ist von 180 000 Menschen aus Spaß ins Parlament gewählt worden. Nun will er nach vier Wochen zurücktreten und Platz machen für weitere "Partei"-Mitglieder, um Übergangsgeld zu kassieren. Ziel: die EU schröpfen, "so wie ein kleiner südeuropäischer Staat". Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur der "Zeit" und Talkshow-Dauergast, posaunte heraus, dass er zweimal gewählt habe, weil er neben der italienischen auch über die deutsche Staatsbürgerschaft verfügt. Ist das nicht verboten? Geschenkt. Habe er nicht gewusst, sagt einer, der sich für intellektuell hält. Und verkauft damit sich selbst und sein Publikum für dumm. Was haben Sonneborn und di Lorenzo gemein? Sie schaden Europa. Sie fördern Wahlmüdigkeit und liefern den Euroskeptikern schöne neue Stammtisch-Argumente: Sitzen doch eh nur Flachpfeifen in Brüssel und Straßburg, die mit dem Steuergeld um sich werfen. Satire muss sein, Spaß auch. Aber angesichts des Stimmenzuwachses der Populisten und Rechtsextremen hätte Europa etwas mehr Ernsthaftigkeit verdient. 28 Nationen unter einen Hut zu bringen, das wird jetzt noch schwieriger. Wie seriös die ganze Veranstaltung in der Außenwahrnehmung daher kommt, liegt nun in den Händen der beiden größten Fraktionen: Wenn die konservative EVP und die Sozialisten die Wahl des Kommissionspräsidenten für ein unwürdiges Hinterzimmer-Geschacher nutzen, kann Sonneborn schon mal den Bleistift spitzen für eine Fortsetzung seiner Satire-Aktionen.

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