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Westfalenpost: Mindestlohn - Ein Kommentar von Stefan Hans Kläsener

Hagen (ots) - Große Taten hat die Große Koalition bislang nicht vollbracht. Sie hatte aber auch Pech: Einen Start wie mit der peinlichen Edathy-Affäre um Schmuddelbilder aus dem Internet konnte niemand vorhersehen - außer Edathy selbst. Nun also, so gaben sich die Parteigranden Merkel, Gabriel und Seehofer gestern einen Ruck, soll endlich regiert werden. Sechs Monate nach der Bundestagswahl ist das ein überaus löblicher Vorsatz. Der Mindestlohn soll jetzt die erste Großtat werden, aber schon wieder verheddert sich die Berliner Politik im Kleingedruckten. Die große Linie ist klar: Nach dem öffentlichen Druck der Gewerkschaften und dem Wahlversprechen der Sozialdemokraten, nach den guten Wirtschaftszahlen und der sich anbahnenden Facharbeiterkrise sind 8,50 Euro pro Stunde als Minimum an der Zeit. Die große Linie trügt aber im Kleinen. Offenbar hatte bei den vollmundigen Versprechen niemand an die Auszubildenden gedacht. Oder an Langzeitarbeitslose, die in einer Anlernphase erst wieder an den ersten Arbeitsmarkt herangeführt werden müssen. Oder an Jugendliche, die schnell Geld für ihre Konsumbedürfnisse sehen wollen und weniger in langfristigen Karrierezielen denken. Oder an Rentner, die dem regulären Arbeitsmarkt gar keine Konkurrenz machen können, sondern nur ein Zubrot suchen. Oder an erziehende Väter und Mütter, die eine kleine Nebenbeschäftigung wünschen, weil sie ohnehin nur ein paar Stunden Zeit am Tag haben. Kurz: Wer Vollzeit arbeitet, soll damit eine Familie ernähren können. Wer aber aus den unterschiedlichsten Gründen nur ein loses Beschäftigungsverhältnis sucht, sollte nicht den Stuhl vor die Tür gestellt bekommen.

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