Westfalenpost: Das Weiterwursteln wird an sein Ende kommen Eine skeptische Jahresvorschau Von Stefan Hans Kläsener

Hagen (ots) - Es ist genau ein Jahr her, da erschien an dieser Stelle ein Kommentar zum Verlauf des Jahres 2011. Der Autor stellte trotz aller Krisenszenarien (die Affäre Wulff steuerte damals ihrem Höhepunkt zu, die Eurokrise hatte ihre spektakulärsten Momente noch vor sich) achselzuckend fest, irgendwie sei das bislang ja gut gegangen und die Deutschen erstaunlich unbeschadet durch den Schlamassel der vergangenen Jahre gekommen. Eine solche Bilanz drängt sich auch für 2012 auf: Angesichts der dramatischen sozialen Verwerfungen in Griechenland, Spanien und Portugal sowie womöglich schon bald in den USA können wir uns nicht beschweren. Das Drama um Opel beispielsweise hat mit der Bundesregierung nichts und mit dem Euro nur wenig zu tun, das belegen die anderen Musterschüler der Branche, die ebenfalls in Deutschland produzieren. Aber ein weiteres Durchwursteln wird dieses anstehende Jahr an sein Ende kommen. Wir Deutschen werden nicht dauerhaft Krisengewinnler bleiben können, dazu ist die Wirtschaft viel zu vernetzt. Wir wiegen uns in einer trügerischen Sicherheit: Die Staatsverschuldung wird auch uns zu drakonischen Maßnahmen zwingen, sobald Export und Binnennachfrage zugleich einbrechen und die Wirtschaft ins Schleudern kommt. Zudem sind wir nach wie vor nicht vorbereitet auf den Bevölkerungsschwund: Wer soll denn die Innovationen entwickeln, die "Made in Germany" zur Marke gemacht haben? 2013 dürfte das Ende der Sattheit einläuten.

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