Westfalenpost: Bildung / Schule / Noten

Hagen (ots) - Es gibt Sätze, die überdauern anscheinend Generationen. "Früher, da musste man im Abitur noch etwas leisten!", ist so ein Satz. Den haben wir schon von unseren Eltern gehört und heute sind wir versucht, diese Feststellung selbst zu treffen. Zumal auch die Statistik dies belegt. Die Durchschnittsnote verbessert sich in Westdeutschland seit den 70er Jahren. Und nun stellt eine Untersuchung fest, dass die Zahl der Einser-Abis geradezu explosionsartig gestiegen ist.

Aber gibt es tatsächlich eine Noteninflation? Sind die Gymnasiallehrer zu großzügig? Tatsache ist, dass schlechte Zensuren einen gewissen Rechtfertigungsdruck erzeugen. Gegebenenfalls muss eine Note rechtssicher sein. Was nicht neu ist - was aber aufgrund eines zunehmenden Erfolgsdrucks häufiger eine Rolle zu spielen scheint. Tatsächlich könnten Pädagogen dieser Rechtfertigung mit Kuschelzensuren begegnen. Und in dem einen oder anderen Fall mag dies so sein. Generell den Lehrern jedoch mangelnde Auseinandersetzungsfähigkeit zu unterstellen, wäre ungerecht und falsch.

Denn die Statistik sagt nur etwas über Verteilungen. Nicht über die Qualität der Leistungsbesten. Nicht mal über die Allgemeinbildung sagt sie etwas aus. Nur darüber, wie gut die Schüler vorbereitet waren auf die gestellten Aufgaben. Insofern mag man bedauern, dass die Notenskala möglicherweise nach unten nicht ausgeschöpft wird und dass im Abitur lediglich Spezialwissen abgefragt wird. Am Ende gilt, was schon immer galt: Eine Note sagt wenig aus über die Fähigkeiten eines Menschen. Und ob jemand mit einer Traumnote der bessere und glücklichere Mediziner, Lehrer oder Journalist ist, muss sich später im Berufsleben erweisen. Das übrigens war auch früher schon so.

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