Neue Osnabrücker Zeitung

NOZ: Gespräch mit Miriam Hoheisel, Geschäftsführerin des Verbandes der alleinerziehenden Mütter und Väter (VAMV)

Osnabrück (ots) - Alleinerziehende wollen nicht länger "Familien zweiter Klasse" sein

Verband fordert Kindergrundsicherung oder steuerliche Verbesserungen

Osnabrück.- In der Diskussion um bessere Leistungen für Kinder häufen sich die Forderungen an die Bundesregierung. Miriam Hoheisel, Geschäftsführerin des Verbandes der alleinerziehenden Mütter und Väter (VAMV), sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Samstag): "Alleinerziehende müssen kurzfristig steuerlich stärker entlastet werden. Langfristig fordern wir einen Systemwechsel in Richtung einer Kindergrundsicherung in Höhe von monatlich 590 Euro." In der schwarz-roten Koalition wird zudem über eine Erhöhung des Kindergeldes diskutiert.

Hoheisel beklagte, Alleinerziehende wollten in der Steuerklasse II nicht länger als Familien zweiter Klasse benachteiligt werden. Seit zehn Jahren stagniere der steuerlich absetzbare Betrag für Alleinerziehende bei 1308 Euro. "Am Jahresende kommen je nach Einkommen zwischen 400 und 600 Euro heraus. Bei Eheleuten sind es durch das Ehegattensplitting dagegen bis zu 15.000 Euro." Diese Ungerechtigkeit müsse endlich beseitigt werden. Der Verband fordere deshalb, "solange es das Ehegattensplitting gibt", den Freibetrag in der Steuerklasse II an den Grundfreibetrag für Erwachsene von über 8000 Euro zu koppeln.

Hoheisel drängte außerdem unter anderem auf einen verbesserten Unterhaltsvorschuss, der Armut vermeiden könne. Dieser dürfe nicht länger auf sechs Jahre beschränkt sein oder mit dem 12. Geburtstag des Kindes enden. Laut VAMV leben 50 Prozent der Kinder in Armut bei Alleinerziehenden.

Insgesamt gibt es dem Verband zufolge 2,2 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in den Haushalten von alleinerziehenden Müttern und Vätern. Um deren Lage langfristig zu verbessern, drängt der Verband auf eine Kindergrundsicherung, in der alle aufs Kind bezogenen Leistungen zusammengefasst sind. Hoheisel: "Das wäre eine wirksame Antwort auf das Problem der Kinderarmut. Wir müssen das System wechseln, damit es allen Kindern besser geht, egal, ob die Eltern verheiratet sind oder nicht, egal, ob die Eltern getrennt sind oder zusammen."

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