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Neue OZ: Kommentar zum Terroranschlag in Kunming

Osnabrück (ots) - Pekings Terrorproblem

Selbstverständlich ist es ein Terroranschlag, wenn ohne jede Vorwarnung gezielt Zivilisten niedergemetzelt werden wie nun bei dem Blutbad in der chinesischen Stadt Kunming. Dass sich Peking über westliche Regierungen beschwert, die in ihren Reaktionen den Begriff "Terror" vermieden, ist nachvollziehbar. Zumal dieselben Regierungen ansonsten nicht eben sparsam mit diesem Wort umgehen, sofern es um ihre eigenen Interessen geht. Daran wird die chinesische Führung den Westen erinnern, sollte sie nun beschließen, mit eiserner Faust in der Unruheprovinz Xinjiang durchzugreifen. Diese Gefahr besteht durchaus: Denn sollte es sich bei den Tätern von Kunming tatsächlich um uigurische Separatisten aus Xinjiang handeln, wie Peking sich sehr schnell sicher war, hätte dieser seit Langem schwelende Konflikt eine neue Stufe erreicht. In der zur Hälfte von muslimischen Uiguren bewohnten Provinz waren Gewaltausbrüche zwar auch bislang nicht selten. Geplante Anschläge aber sind etwas ganz anderes. Und zeitigen auch härtere Gegenmaßnahmen, bis hin zu Militäreinsätzen. Fakt ist: Auch die Volksrepublik hat ein Terrorismusproblem. Diplomatisches Gerangel um die korrekte Verwendung des Begriffs hilft aber niemandem. Am wenigsten den Uiguren, die fürchten müssen, dass Peking unter dem Siegel der Terrorbekämpfung nun erst recht die Peitsche hervorholt.

Maik Nolte

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